Leseprobe

Hallo liebe Freunde, wollen wir heute eine Reise durch den Süden Deutschlands machen? Wenn du Zeit hast, steige zu mir in meinen Sonnenlift und lass uns unsere Heimat erkunden. Die südlichen acht Bundesländer warten schon auf neugierige Nasen wie dich.

Um die Länder schnell auf der Karte zu finden, habe ich mir überlegt, sie mir wie eine Mannschaftsaufstellung beim Fußball einzuprägen: Baden-Württemberg und Bayern sind Torhüter. Die Viererkette davor wird von den Ländern Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Sachsen gebildet. Das Saarland läuft an der Außenlinie als Linienrichter. Das Mittelfeld und den Sturm hatten wir ja schon bei unserer letzten Reise beschrieben.

Wir beginnen heute mit dem schönen Land Nordrhein-Westfalen. Unser Freund und Reiseführer Gustav Grenzenlos hat seinen Helikopter schon startklar gemacht und sicher werden die interessantesten Informationen nur so aus ihm heraussprudeln.

Ah, sieh nur, dort kommt er schon.

„Hallo Herr Tröpfchen, bringen Sie wieder einen lieben Gast mit? Sehr schön, gemeinsam werden wir sicher bei der Reise durch den Süden der Republik sehr viel Vergnügen haben.“

„Na klar, Herr Grenzenlos, lassen Sie uns schnell zusteigen, unsere Zeit ist nicht unbegrenzt.“

„Immer ruhig, Herr Tröpfchen, unnütze Hast schadet nur und man verpasst zu viel.“

„Da haben Sie wohl recht, Herr Grenzenlos, dennoch muss man nicht bummeln.“

„Ist ja gut, ihr Lieben, wir starten.“

Nordrhein-Westfalen

„Stimmt es eigentlich, Herr Grenzenlos, dass im Land Nordrhein-Westfahlen die meisten Menschen leben?“

„Da haben Sie recht, Herr Tröpfchen. Fast ein Viertel aller Bundesbürger wohnt hier. Aber das ist nicht verwunderlich, denn das Ruhrgebiet ist das größte zusammenhängende Industriegebiet Europas. Eine große Stadt geht in die nächste über. Doch hat das auch zur Folge, dass, wenn es der Industrie schlecht geht, es meist der ganzen Region nicht gut geht.

Wo es so viele Betriebe gibt und wo vor allem so viele Menschen zusammenleben, muss es ein dichtes Verkehrsnetz geben, und tatsächlich liegen Straßen und Eisenbahngleise dicht bei dicht. Zwei große Flughäfen, nämlich Düsseldorf und Köln-Bonn, sichern den Luftverkehr in alle Welt. Der alte ‚Vater Rhein’ bringt die großen Schiffe direkt von der Nordsee bis hierher.

Übrigens ist in Nordrhein-Westfalen nicht nur die Industrie stark, auch die Landwirtschaft hat hier schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Leider lohnt sich das heute nicht mehr, deshalb geben immer mehr kleine Höfe auf. Doch dafür kommen mehr und mehr Urlauber in den Ferien hierher, zum Beispiel ins Münsterland mit seinen Schlössern und Burgen. Aber auch ins Weser- und Wiehengebirge mit seinen zahlreichen Wanderwegen und Aussichtstürmen zieht es die Besucher. Und Wintersportler fühlen sich in Winterberg im Hochsauerland am wohlsten.“

„Was sollte man unbedingt gesehen haben, wenn man in diese dicht besiedelte Gegend kommt? Gibt es überhaupt noch Platz für Sehenswertes vor lauter Menschen?“

„Das ist ein wenig spitz, Herr Tröpfchen! Gerade eben habe ich die Tourismusregionen benannt und Sie ignorieren das einfach!“

„So war das nicht gemeint, Herr Grenzenlos, ich dachte nur …“

„Über Mangel an Sehenswertem kann man hier nicht klagen, denn der Boden ist geschichtsträchtig. Man bedenke, dass hier schon die Schlacht gegen die Römer tobte, woraus sich letztendlich die Geburt Deutschlands ableitete. Wer kennt nicht den Jammer um Varus, dem die römischen Legionen verlorengingen? Das Hermannsdenkmal auf der Grotenburg erinnert noch heute an die Schlacht im Teutoburger Wald und den Cheruskerfürsten Arminius.

Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit ist die Wuppertaler Schwebebahn, die seit über hundert Jahren das Wahrzeichen der Stadt Wuppertal ist. Über dreizehn Kilometer misst die Strecke zwischen Vohwinkel und Oberbarmen und zurück.

Wer hat schon einmal eine Safari unternommen? Keine Angst, dazu muss man nicht extra nach Afrika reisen, in Schloß Holte-Stukenbrock ist das auch möglich. Dort kann man im Sommer den Zoo Safaripark besuchen, eine Kombination aus Tier- und Freizeitpark mit Achterbahn und kunterbunten Shows im Zirkus, in der Westernstadt und im Afrika-Theater.

Im Safaripark leben über 600 Tiere. Vom Auto aus kann man – bewaffnet mit einem Fotoapparat – auf die Pirsch fahren und die wilden Wesen beobachten. Anders als im Zoo bewegen sie sich in dem riesigen Freigehege ohne Zäune vor den Besuchern, sodass sie fast wie in freier Wildbahn betrachtet werden können. Ein purer Spaß für Entdecker und Liebhaber der Natur.

Für die kleinen und großen Geheimdetektive gibt es noch eine besondere Sensation: das Spionagemuseum von Oberhausen ‚Top Secret – Die geheime Welt der Spionage’. Hier werden die wichtigsten und bekanntesten Geheimdienste vorgestellt, wie die deutsche Gestapo, der russische KGB oder der amerikanische CIA. Dabei können auch die geschickt getarnten Waffen der Agenten – zum Beispiel umgebaute Kämme und Regenschirme – begutachtet werden. Speziell für die Kinder gibt es ein Laserlabyrinth zum Probieren, dort können sie geheime Gänge finden und etwas über das Spicken im Unterricht erfahren. Im Museum kann man sogar den alten Aston Martin von James Bond bewundern, mit Nummernschildwechsler und Maschinengewehr hinter den Blinkern – als Nachbau natürlich.

Gewiss ist auch die Bad Driburger Modellbundesbahn ein Ziel für Ferientage. Sie ist anders als alles, was ihr kennt! Außer den Zügen, Autos und Figuren ist hier alles Handarbeit, selbst die Bäume und Gebäude.

Die Brücken, Lokomotivanlagen und Verladerampen sind alle nach Originalplänen gebaut und die Loks tragen sogar die passenden Lok­nummern. Hier waren und sind Enthusiasten am Werk. Vielleicht findet Ihr kleiner Gast auch Freude an der Modellbahn?“

„Ist ja dufte, was dieses Land so zu bieten hat. Doch wann fliegen wir weiter, Herr Grenzenlos?“

„Suchen wir doch jetzt das Saarland auf, bevor wir Rheinland-Pfalz entdecken, das wir vorerst nur überfliegen.“